Hurra, wir haben EINEN Kitaplatz!!!!

Der Haken daran ist, dass wir 2 Kinder haben. Uns hatte man zum August hin einen Kitaplatz angeboten. Wir blickten uns ratlos in die Augen und wussten wirklich nicht, was wir davon halten sollten. Sollten wir jetzt wirklich ein Kind zur Kita bringen und für das zweite eine Tagesmutter suchen? Das kam überhaupt nicht in Frage. Unsere beiden sind unzertrennlich und dass soll auch so bleiben. Dadurch, dass wir den Krippenplatz um 4 Monate verlängert bekommen hatten, war ja auch noch Zeit etwas geeignetes zu finden. Wir gingen also zum Jugendamt und suchten Adressen von Tagesmüttern im erweiterten Kreis unserer Region heraus. Leider blieb da auch nur noch eine übrig. Nun gut, vielleicht ist sie ja gut.
Wir fuhren also 20 km, um uns eine Tagesmutter anzusehen, wir klingelten und als die Tür sich öffnete, kamen 3 große Labradore heraus. Wir dachten es sei nur „Versteckte Kamera“, dem war aber leider nicht so.
Frustriert gingen wir hinein und schauten uns alles an. Ich mag Hunde wirklich gerne und finde es auch toll, wenn unsere beiden mit einem Hund spielen dürfen. Aber den ganzen Tag in einem Zimmer oder beim spazieren gehen mit 3 solch großen Hunden? Ich könnte nicht ruhig arbeiten. Lieber bleibe ich arbeitslos und ohne Geld zu Hause, als meinen Kindern so einer Gefahr auszusetzten, auch wenn es sehr liebe Hunde sind.

Wieder einmal sind wir ratlos. Wir holten uns einen Termin beim Kinderschutzbund. Wir wollten über diesen Weg versuchen, einen Kitaplatz oder eine Tagesmutter im Kreis meines Arbeitsplatzes zu suchen.

Endlich hatten wir jemanden gefunden, bei dem wir uns kompetent und gut beraten fühlten. Sie klärte uns über unsere Rechte auf (unter anderem auch, dass wir nur einen gesetzlichen Anspruch auf einen Teilzeitplatz hätten). Sie gab uns Empfehlungen und Adressen von Tagesmüttern direkt in der Stadt, in der ich arbeite und erklärte uns, dass wir darüber sofort mit dem Jugendamt sprechen sollten, ob sie denn überhaupt die Kosten übernehmen.

Hier in Rheinland-Pfalz, gibt es ab dem zweiten Lebensjahr, keine Kitagebühren. Die Kitas sind also beitragsfrei, vorrausgesetzt man bekommt einen Kitaplatz.

Wir informierten das Jugendamt über unser Vorhaben und sie zeigten Verständnis für unsere Lage. Sie boten uns an, dass sie uns genauso unterstützen, wie sie es mit der Krippe getan hatten. Das heißt also weiterhin, dass wir 330 €/Kind an das Jugendamt bezahlen und dafür übernehmen sie weiterhin 4€ pro Std/Kind. Was hatten wir also für eine Wahl? Hätten wir also einen Vollzeit Kitaplatz bräuchten wir gar nichts bezahlen. Klingt für mich alles ein wenig konfus.

Wir nahmen an und suchten am darauffolgenden Tag nach einer passenden Tagesmutter. Ich telefonierte alle Tagesmütter ab, es waren 4 an der Zahl und machte für die darauffolgende Woche, an jedem Tag einen Termin aus. Meine Frau musste von Montag bis Donnerstag die Kinder abholen und wir trafen uns zusammen bei der jeweiligen Tagesmutter. Es war wirklich stressig.

Von den Tagesmüttern die wir dort gesehen hatten, waren wir beide von allen sehr begeistert. Jede hat einen wirklich sehr guten Eindruck hinterlassen und so entschieden wir uns für die Tagesmutter, die auf dem Weg zur Arbeitsstelle lag und am kostengünstigsten war, denn jeder Cent der über die 4 € ging müssen wir ja komplett selbst übernehmen und das kann sich bei 2 Kindern ganz schnell summieren.

Endlich haben wir unsere  Kinder, ab April 2016  gut unter und wir müssten uns diesbezüglich keine Sorgen mehr machen, wäre da nicht unsere tolle Gemeinde.

Sie boten uns ganz plötzlich zum April zwei Vollzeit Kitaplätze an. Toll dachte ich erst, denn unsere Kitas haben auch von 07 – 17 Uhr geöffnet, das ist eigentlich perfekt, wäre es denn den Kindern zumutbar!!!?

Da war er wieder, der Haken. Wir dürfen unsere Kinder nur 7h Stunden z.B. von 08 – 15 Uhr zur Kita bringen,  das Jugendamt empfielt nur 7h täglich für unter 3 jährige, denn mehr wäre nicht zumutbar. Mann nennt es hier „Berliner Modell“. Sollen wir jetzt unseren Arbeitgebern sagen, dass wir nur noch nach dem „Berliner Modell“ arbeiten können? Wir entschieden uns, dass Geld zu bezahlen und die Kinder bei der Tagesmutter zu lassen, damit wir weiterhin unserer Arbeit nachgehen können. Auch wenn es sich finanziell nicht lohnt, so möchten wir doch ein Vorbild für unsere Kinder sein und ihnen keine Arbeitslosigkeit vorleben.

Ich hoffe, dass wir eine totale Ausnahme und ein absoluter Einzelfall sind, denn wenn nicht muss ich leider sagen, dass der Staat in vielen Jahren versagt hat und sich über die  schwindenden Fachkräfte nicht wundern muss. Für uns hoffe ich, dass wir nach 2 Jahren Kampf und Krampf endlich eine Lösung gefunden haben, auch wenn sie erstmal nicht optimal ist.

Wir sind sehr gespannt, ob wir ab 3 Jahren zwei Kitaplätze bekommen, die dann voll Vollzeit sind.

Euer Sven

 

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